Sicher arbeiten mit 230 Volt

Was du wissen musst, bevor du einen Shelly einbaust oder ein Netzgerät aufschraubst: die fünf Sicherheitsregeln, das richtige Messwerkzeug, typische Fallen in der Unterputzdose und wann die Elektrofachkraft ran muss.

In vielen meiner Videos und Artikel geht es um Geräte, die am Stromnetz hängen: Shellys in der Unterputzdose, ein Relais im Garagentorantrieb, eine reparierte WLAN-Steckdose. Bei Netzspannung reicht ein einziger Fehler, und der kann tödlich sein. Deshalb steht hier gesammelt, was ich vor jeder dieser Arbeiten beachte. Die Artikel verweisen auf diese Seite, statt die Regeln jedes Mal neu aufzuzählen.

⚠️ Diese Seite ersetzt keine Ausbildung. Wenn du dir bei einem Schritt unsicher bist, lass die Arbeit von einer Elektrofachkraft erledigen. Meine Videos zeigen, wie ich es bei mir gemacht habe. Sie sind keine Installationsanleitung für deine Anlage.

Wer darf überhaupt an die Hausinstallation?

In Deutschland regelt das die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Nach § 13 darf die Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur von einem Installationsunternehmen errichtet, erweitert, geändert und instandgehalten werden, das beim Netzbetreiber im Installateurverzeichnis eingetragen ist. Ein Shelly hinter dem Lichtschalter ist eine Änderung an der festen Installation. In Österreich und der Schweiz gelten eigene, ähnlich strenge Regeln.

Dazu kommt die Versicherungsfrage: Brennt es und war eine Laienarbeit im Spiel, kann die Gebäude- oder Hausratversicherung die Leistung kürzen. Mietest du, ist die Elektrik ohnehin nicht deine. Frag in dem Fall vorher den Vermieter.

Anders sieht es bei steckerfertigen Geräten aus. Einen Zwischenstecker einstecken darf jeder. Und eine defekte smarte Steckdose aufschrauben und reparieren ist eine Arbeit an deinem eigenen Gerät, nicht an der Hausinstallation. Auch dabei gelten aber die Regeln weiter unten.

Eine pragmatische Lösung, die viele nutzen: Du planst, kaufst die Aktoren und richtest sie ein, und eine Elektrofachkraft klemmt sie an. Einige Betriebe bieten genau das an.

Die fünf Sicherheitsregeln

Elektrofachkräfte lernen sie als Erstes, und sie stehen in der DIN VDE 0105-100. Die Reihenfolge ist Absicht.

  1. Freischalten. Den richtigen Leitungsschutzschalter ausschalten. Den Lichtschalter auszuschalten reicht nicht, er trennt oft nur einen Leiter.
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern. Ein Zettel am Sicherungskasten oder eine Sperre für den Schalter. Sag allen im Haus Bescheid. Es ist schon oft passiert, dass jemand „die rausgeflogene Sicherung“ wieder eingeschaltet hat.
  3. Spannungsfreiheit feststellen. Mit einem zweipoligen Spannungsprüfer, allpolig: Außenleiter gegen Neutralleiter, Außenleiter gegen Schutzleiter, Neutralleiter gegen Schutzleiter. Prüf das Messgerät direkt davor und danach an einer Steckdose, die Spannung führt. Nur so weißt du, dass es funktioniert.
  4. Erden und kurzschließen. In der Hausinstallation mit Niederspannung entfällt dieser Schritt in der Regel.
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken. Wichtig, wenn in derselben Dose oder im Verteiler noch andere Stromkreise aktiv sind.

Erst danach geht die Abdeckung ab und der Schraubendreher an die Klemme.

Das richtige Werkzeug

  • Zweipoliger Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3. Ein Phasenprüfer-Schraubendreher (der mit dem Glimmlämpchen) ist dafür ungeeignet. Er zeigt bei schlechtem Kontakt zu dir oder zum Boden nichts an, obwohl Spannung anliegt.
  • VDE-isolierte Schraubendreher für die Klemmen. Sie ersetzen nicht das Freischalten, schützen aber, falls doch etwas übersehen wurde.
  • Aderendhülsen und Crimpzange für flexible Leitungen (Litze), damit keine einzelnen Drähte abstehen.
  • Steckklemmen in passender Größe statt Lüsterklemmen-Bastelei.

Typische Fallen in der Unterputzdose

Die meisten meiner Smarthome-Projekte mit 230 Volt spielen in einer Schalter- oder Abzweigdose. Dabei sind mir diese Punkte begegnet:

  • Mehrere Stromkreise in einer Dose. Bei Wechsel- oder Serienschaltungen und in Abzweigdosen laufen oft Leitungen von zwei Sicherungen zusammen. Eine Sicherung aus heißt nicht, dass die Dose spannungsfrei ist. Deshalb Regel 3 an jedem Leiter.
  • Der Neutralleiter kann Spannung führen. Etwa wenn er unterbrochen ist oder mehrere Stromkreise sich einen Neutralleiter teilen. Behandle ihn wie einen Außenleiter, bis du gemessen hast.
  • Der FI-Schalter schützt nicht vor allem. Er löst aus, wenn Strom über den Schutzleiter oder über dich zur Erde fließt. Fasst du Außen- und Neutralleiter gleichzeitig an, fließt der Strom durch dich und zurück ins Netz, und der FI merkt nichts.
  • Platz und Wärme. Ein Shelly hinter einem Taster braucht eine tiefe Dose. Gequetschte Leitungen und überhitzte Aktoren sind eine Brandgefahr. Achte auf die Lastgrenzen des Aktors, besonders bei Motoren und LED-Netzteilen mit hohem Einschaltstrom.
  • Klemmen nachprüfen. Jede Ader einzeln auf festen Sitz ziehen, bevor die Dose wieder zugeht. Eine lockere Klemme wird warm und bleibt das jahrelang unbemerkt.
  • Fehlender Neutralleiter. Viele alte Schalterdosen haben nur Außenleiter und Schaltdraht. Manche Aktoren brauchen aber einen Neutralleiter. Einen Neutralleiter von woanders „mitzunehmen“ oder den Schutzleiter als Neutralleiter zu benutzen ist lebensgefährlich.

Welche Fehler mir beim Einbau von Shellys sonst noch passiert sind, steht in Shelly-Installation: 5 Fehler.

Netzgeräte öffnen und reparieren

Bei Reparaturen wie dem Kondensatortausch in einem Shelly 2.5 oder einer Sonoff S20 liegt die Platine offen vor dir. Hier gilt zusätzlich:

  • Nie geöffnet am Netz betreiben. Kein „nur kurz testen“ ohne Gehäuse. Bei vielen dieser Geräte liegt die gesamte Platine auf Netzpotenzial, auch die Teile, die nach Kleinspannung aussehen.
  • Kein USB-Adapter am netzbetriebenen Gerät. Wer einen Shelly oder eine Sonoff über die serielle Schnittstelle flasht, versorgt das Gerät ausschließlich über den Adapter. Hängt es gleichzeitig am Netz, liegt dein Rechner auf 230 Volt.
  • Kondensatoren können geladen bleiben. Nach dem Ausstecken ein paar Minuten warten und bei größeren Netzteilen nachmessen, bevor du die Platine anfasst.
  • Nach dem Zusammenbau prüfen. Gehäuse vollständig geschlossen, keine eingeklemmten Leitungen, keine Lötzinnreste auf der Platine. Erst dann wieder einstecken.

Wann du es lieber lassen solltest

  • Wenn du nicht sicher weißt, welche Sicherung zu welchem Stromkreis gehört.
  • Wenn in der Dose Leitungen liegen, deren Funktion du nicht zuordnen kannst.
  • Bei alten Installationen ohne Schutzleiter, mit Stoffisolierung oder brüchigen Adern.
  • Im Zählerschrank und im Verteiler.
  • Wenn dir der Spannungsprüfer fehlt.

In all diesen Fällen ist die Elektrofachkraft die richtige Wahl. Die Einrichtung in Home Assistant oder der Shelly-App kannst du danach trotzdem selbst übernehmen. Das ist ohnehin der Teil, um den es auf diesem Kanal geht.

Artikel auf diesem Blog, die 230 Volt betreffen

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